“Gastarbeiter” in Wolfsburg 1962-1974


“Venite a lavorare con la Volkswagen!”

von Anne von Oswald

Ende der fünfziger Jahre machte die junge Bundesrepublik eine für sie neue Erfahrung: Zum ersten Mal gab es auf dem Arbeitsmarkt weniger Arbeitssuchende als offene Stellen. Eine neue Arbeitsmarktpolitik mußte eingeleitet werden, die in der massenhaften Anwerbung von “Gastarbeitern” aus dem Mittelmeerraum ihren Ausdruck fand. Es begann “eine hektische Jagd der Firmen nach in- und ausländischen Arbeitskräften” (1) – besonders nach Italienern, die an erster Stelle, vor Griechen, Spaniern, Türken und später Jugoslawen den beispiellosen Mangel an Arbeitskräften der sechziger Jahre ausglichen.

Zu Hunderttausenden wurden sie von der italienischen Regierung aufgefordert, ihr Land in Richtung Deutschland zu verlassen. Bereits in der frühen Nachkriegszeit war Rom bemüht gewesen, die Emigration nicht nur nach Nord und Südamerika, sondern auch nach Westeuropa zu fördern. An die italienischen Arbeitslosen – besonders aus Süditalien, Sizilien und Sardinien – richtete sich der damalige Ministerpräsident De Gasperi mit der Losung “Lernt eine andere Sprache und geht fort” (2). Seit Ende 1953 bemühte sich das italienische Außenministerium um eine Wanderungsvereinbarung mit der Bundesrepublik, um durch den “Export” überzähliger Arbeitskräfte aus dem sogenannten Mezzogiorno, dem Süden Italiens, eine Verbesserung der italienischen Handelsbilanz zu erreichen.

Schon im neunzehnten Jahrhundert waren Aufforderungen zur Massenauswanderung ein bewußt eingesetztes Mittel, die Soziale Frage zu exportieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete sich jedoch mit der Entwicklung bilateraler Anwerbeabkommen, diktiert durch die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes, ein völlig neues Phänomen heraus.

Nach zunächst vergeblichen Bemühungen der italienischen Regierungsvertreter wurde am 20. Dezember 1955 die italienisch-deutsche Wanderungsvereinbarung beschlossen. Trotz anhaltender Wachstumsschübe in der Industrie kamen anfangs jedoch nur Anfragen nach wenigen tausend Arbeitskräften, meist aus der deutschen Landwirtschaft. Erst als die Produktionsausweitungen nicht mehr allein durch Zuwanderung von Vertriebenen, Flüchtlingen oder durch Binnenwanderung abgedeckt werden konnten, begann die Massenanwerbung für die deutsche Industrie, die ab 1960 durch weitere Anwerbeverträge mit Ländern aus dem Mittelmeerraum effektiver gestaltet werden sollte. Entsprechende Regierungsvereinbarungen wurden 1960 mit Griechenland und Spanien abgeschlossen. Ein Jahr später richtete die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Dienststelle in der Türkei ein, der neue Einrichtungen in Marokko, Tunesien und zuletzt 1968 in Jugoslawien folgten.

Wolfsburg – “das größte italienische Dorf jenseits der Alpen”
Die Entscheidung der VW-Leitung, der stetig sich verbessernden Auftragslage durch ausländische Arbeitskräfte gerecht zu werden, fiel erst etwa zwei Jahre später, im September 1961, also einen Monat nach dem Bau der Berliner Mauer. Daß das Volkswagenwerk erst sechs Jahre nach Unterzeichnung der Vereinbarung begann, “Gastarbeiter” anzuwerben, hängt sicherlich mit seiner geographischen Lage in unmittelbarer Nähe zur damaligen DDR zusammen, deren Arbeitskräfte in Massen in die Westzonen beziehungsweise in die Bundesrepublik kamen. (3) Hand in Hand damit ging die nicht zu unterschätzende Sogkraft der schon damals legendären “Autostadt” Wolfsburg, die vergleichsweise leichter als andere Städte im Bundesgebiet Arbeitssuchende anzog.

Anfängliche Überlegungen, neben Italienern auch Spanier aus Katalonien anzuwerben, die man nach der Überzeugung von Generaldirektor Nordhoff “zusammen verwenden könnte, ohne daß das große Reibungen gibt”, wurden bald fallengelassen. (4)

Was waren schließlich die Gründe, sich auf die Anwerbung von ausschließlich italienischen männlichen Arbeitskräften zu konzentrieren, trotz Warnungen eines VW-Mittelsmannes vor einem anstehenden Arbeitskräftemangel in Italien? Der VW-Mitarbeiter schätzte die Möglichkeiten der Arbeitskräftebeschaffung seit dem erstaunlichen Wirtschaftsaufschwung besonders in Norditalien als problematisch ein, da sich dort die Zahl der Arbeitslosen beträchtlich reduziert hatte.

Trotz der unübersehbar starken Binnenwanderung aus dem Süden Italiens in das sogenannte industrielle Dreieck – Mailand, Turin und Genua – gab es bis Mitte 1970 keine Schwierigkeiten für die VW-Personalabteilung, genügend Arbeitsmigranten aus dem italienischen “Arbeitskräftebecken” zu werben. Ganz im Gegenteil zogen binnen kürzester Zeit erstaunlich viele italienische Produktionsarbeiter nach Wolfsburg: Schon wenige Monate nach dem Eintreffen der ersten Italiener Ende Januar 1962 konnte das Volkswagenwerk weit über 3 000 und drei Jahre später sogar über 5 000 italienische Zugewanderte registrieren.

Zur Erklärung, warum die VW-Leitung alle Kräfte der Anwerbung auf Italien konzentrierte, ist zunächst auf die Geschichte der italienischen “Frembarbeiter” zu verweisen, die seit dem Sommer 1938 zu Tausenden am Aufbau der Stadt und des Werkes des KdF-Wagens beteiligt waren. (5) Die nochmalige Anwerbung von Italienern in den sechziger Jahren könnte damit in Verbindung gebracht werden, erklärt jedoch nicht, warum auf derartig problemlose Weise so zahlreiche italienische Arbeitskräfte nach Wolfsburg kamen. Erwähnenswert ist, daß die Vermittlungskapazität der beiden deutschen Anwerbebüros in Neapel und Verona wesentlich höher war als die der deutschen Dienststellen in Madrid, Athen, Saloniki und Istanbul, deren Mitarbeiter zur Zeit der VW-Entscheidung wesentlich jünger und unerfahrener waren: Bis zu 4 500 italienische Arbeitskräfte konnten wöchentlich an deutsche Betriebe vermittelt werden, wohingegen sich die Kapazität aus Spanien, Griechenland und der Türkei mit zwischen 250 und 750 Arbeitsmigranten in der Woche deutlich niedriger belief. (6)

Ausschlaggebend für das VW-Werk, sich auf Italien zu konzentrieren, waren schließlich die Verbindungen des Katholiken Nordhoff zum Vatikan in Rom und die dort signalisierte Kooperationsbereitschaft zur Vermittlung der angeforderten Arbeitskräfte.

In einem Schriftwechsel vom Oktober 1961 mit zwei deutschen katholischen Funktionsträgern im Vatikan fragte VW-Generaldirektor Nordhoff an, ob es mit Hilfe der katholischen Kirche möglich wäre, 3 000 italienische Arbeiter anzuwerben. Zwischen ihm und dem Papst bestanden persönliche Kontakte. Am 17 Januar 1956 wurde Nordhoff von Papst Pius Xll. zu einer Privataudienz empfangen und mit dem katholischen Orden “Ritter des heiligen Grabes” ausgezeichnet. Wenig erstaunlich ist darum die eindeutige, sofortige Antwort des Vatikans auf die Anfrage des VW-Werkes in den Worten, daß “es – nach einem kurzen Anruf beim päpstlichen Werk der Assistenz (PCA) – wohl möglich sein werde, über die ACLI die von Ihnen gewünschten italienischen Jungarbeiter zu erhalten” (7). Bei der ACLI (Associazione cattolica dei lavoratori italiani) handelt es sich um die noch heute bestehende katholische Vereinigung der italienischen Arbeiter, die 1944 als Gegenbewegung zu den italienischen Gewerkschaften vom Vatikan gegründet wurde. Einer ihrer Aufgabenschwerpunkte war die aktive Betreuung der Auswanderung sowie die Sozialbetreuung der italienischen Emigranten in den Aufnahmegesellschaften.

Die Bedeutung der katholischen Konfession für die VW-Werkleitung sowie deren Verbindungen zum Vatikan und zur lokalen katholischen Kirche sind gewiß zur Erklärung verschiedener betrieblicher Entscheidungen von Bedeutung. Sowohl die auffällig restriktive Beschäftigungspolitik gegenüber deutschen Frauen, besonders verheirateten Frauen, als auch die bis zum Jahre 1978 aufrechterhaltene Entscheidung, keine italienischen Arbeitsmigrantinnen im Werk arbeiten zu lassen, hängen damit höchstwahrscheinlich zusammen.

Ob es nun gelang, die gesamte Anzahl von 3 000 angeforderten Italienern über das Organisationsnetz des Vatikans zu mobilisieren, bleibt zweifelhaft; eindeutig ist jedoch, daß sich durch die Verbindung zum Vatikan Möglichkeiten für VW auftaten, sehr viele Italiener in sehr kurzer Zeit für Wolfsburg zu gewinnen. Üblicherweise hätte das VW-Werk, als ein deutsches Unternehmen unter vielen, bei der Anwerbekommission der Bundesanstalt für Arbeit in Verona nach Arbeitskräften anfragen und je nach “Angebot” auch länger auf die angeforderten Arbeitskräfte warten müssen.

Mit Hilfe des Vatikans verkürzte sich die Wartezeit für das Volkswagenwerk jedoch auf ein Minimum: Es schickte für mehr als zwei Jahre einen Anwerbemann nach Italien, dem von Seiten der Kirche ein katholischer, für die Übersetzungen zuständiger Würdenträger zur Seite gestellt wurde. Gemeinsam bereisten sie Dörfer der damaligen “wirtschaftlichen Passivräume” – die Abbruzzen und die südlich davon gelegenen Landstriche -, die zuvor vom Vatikan ausgesucht und informiert worden waren. Die Kirchengemeinden sollten für die Ankunft des VW-Anwerbemannes die männlichen Arbeitssuchenden der Umgebung zusammentrommeln, die dieser dann für die Produktionsanforderungen im Wolfsburger Werk auswählte und namentlich auflistete. Da eine direkte Anwerbung seitens eines Unternehmens ausdrücklich untersagt war, mußten die jungen Männer anschließend zur deutschen Anwerbekommission nach Verona geschickt werden. Von dort ging es, nach der ärztlichen Tauglichkeitsprüfung, über die sogenannte “namentliche Anforderung” direkt nach Wolfsburg. (8) Es handelte sich um eine “kostenlose Werbekampagne” des Vatikans, “alles andere” wäre “zu teuer” geworden. “Wir haben für eine Vermittlung nur 100 DM bezahlt – bei der Deutschen Kommission. Das war ein Spott-Geld mit Verpflegung, mit Übernachtung, mit Bahn-Fahrt, mit allem, was dazu gehört.” Diese in Italien einmalige Arbeitsvermittlung mit Unterstützung des Vatikans könnte erklären, weshalb ein Großunternehmen mit hohem Bedarf an ausländischen Arbeitskräften es mehr als zehn Jahre lang schaffen konnte, nur eine bestimmte Gruppe von Arbeitsmigranten aus einem einzigen Anwerbeland einzustellen. Eine – aus Unternehmersicht derartige Ersparnis an Kosten und Arbeitsaufwand ist bei anderen deutschen Anwerbungsunternehmen nicht zu beobachten. In der Regel waren die Unternehmen zur Deckung des wachsenden Arbeitskräftebedarfs auf die Vermittlung aus verschiedenen Ländern des Mittelmeerraumes angewiesen.

Erst im Spätsommer 1970 entschied sich die VW-Führung, zusätzlich auch Tunesier anzuwerben. Wolfsburg war bis dahin als “größtes italienisches Dorf jenseits der Alpen” in die Geschichte eingegangen. Am Jahresende 1971 zählte die Personalabteilung 7 417 Italiener im Werk, fünf Monate zuvor hatte das Volkswagenwerk den Höchststand von 9 161 italienischen Beschäftigten verzeichnet, der nie wieder erreicht wurde. Nun sollte zu der außergewöhnlichen Konzentration von italienischen “Gastarbeitern” im Werk und in den Gemeinschaftsunterkünften, deren Kapazität von 6 000 Betten längst erschöpft war, noch eine zweite Arbeitsmigrantengruppe hinzukommen. Nach neun Jahren Massenwanderung aus dem Mezzogiorno in die “Käferstadt” war es nun nach offizieller Erklärung nicht mehr möglich, genügend Italiener für das Volkswagenwerk anzufordern.

Das bundesrepublikanische Rotationsmodell und seine Praxis:
Strukturen der Massenimmigration nach Wolfsburg
Zum Verständnis des Ausmaßes der Arbeitswanderungsbewegung von Italienern sowie später von Tunesiern nach Wolfsburg ist die Zählung der täglichen, wöchentlichen und monatlichen Zu- und Abwanderungen von zentraler Bedeutung. (9) Für den Zeitraum von 1962 bis zum konjunkturellen Tiefpunkt 1974 / 75 beschäftigte das VW-Werk meiner Zählung nach 37 570 Italiener, von denen jedoch 34 643, also 92,2 Prozent, wieder entlassen wurden. Die Mehrzahl kehrte nach der Entlassung endgültig oder für mehrere Jahre in die Heimat zurück. Diejenigen, die nach der Krise im Zeichen des Ölpreisschocks weiterhin in Wolfsburg blieben, holten meist ihre Familie nach. So stellten 1975 die 2 928 im Werk beschäftigten Italiener nicht einmal mehr die Hälfte der italienischen Wohnbevölkerung (6 692), während für den Zeitraum von vor 1973 die Zahlen der italienischen Beschäftigten mit denen der Wohnbevölkerung noch annähernd übereinstimmten. (10) Dies bedeutete für die Anwerbephase der sechziger Jahre, daß die italienische Wohnbevölkerung in Wolfsburg fast ausschließlich aus Männern im arbeitsfähigen Alter bestand.

Bei den Tunesiern waren es vom Anwerbungsbeginn im September 1970 bis November 1973, dem letzten Einstellungsmonat vor dem Anwerbestopp, “nur” 2 600 Einstellungen, bis Ende 1975 wurden allerdings 2 408 Arbeiter wieder entlassen. Im Unterschied zu den Italienern war bei den Tunesiern die Rückkehr in die Heimat nicht vorrangig. Ihre Nicht-EG-Mitgliedschaft erschwerte gegenüber den italienischen EG-Bürgern die Rückkehrmöglichkeit für die Tunesier. Viele wurden von der VW-Personalabteilung in andere deutsche Unternehmen, zumeist aus der Bekleidungs- und Schiffbauindustrie, weitervermittelt, andere suchten eigenständig eine neue Beschäftigung, wovon einige mit dem erneuten Konjunkturauftrieb nach der Erdölkrise in die VW-Stadt zurückkehrten.

Überaus deutlich tritt in diesen Zahlen der ungeheuer hohe Mobilitätsgrad der beiden Arbeitsmigrantengruppen bei VW zu Tage. Handelte es sich dabei um einen “Normalfall” oder eher um einen “Sonderfall” in der bundesrepublikanischen Geschichte der “Gastarbeiterbeschäftigung”? Bereits am Ende des ersten Anwerbejahres verzeichnete VW fast 5 000 neue Arbeitnehmer aus Italien, von denen rund ein Drittel schon bald wieder die Stadt verließ. Für das zweite Anwerbungsjahr 1963 ergab sich die wiederum hohe Zahl von 2 911 Zugängen, parallel dazu eine ähnlich hohe Zahl von 2 816 Abgängen; damit betrug die jährliche Fluktuationsziffe (11) 93,4 Prozent.

Trotz anhaltenden akuten Arbeitskräftemangels hielten diese oft nur wenige Wochen oder Monate dauernden Massenwanderungen bei VW über Jahre hinweg an: Nicht nur während der ersten konjunkturellen Krise der Nachkriegszeit, also 1966 / 67, sondern auch während der erneuten Hochkonjunktur und intensiven Anwerbephase der Jahre 1969 bis 1971 sowie 1973 ist ein auffälliger Arbeitskräfteaustausch festzustellen. So schnellten ab 1968 die jährlichen Einstellungsquoten von 3 300 bis auf 5 400 Italiener wieder sprunghaft in die Höhe, doch verließ circa die Hälfte der Zugewanderten schon bald wieder Werk und Stadt. Im Jahre 1971 registrierte die Personalabteilung des Wolfsburger Werkes einen akuten Arbeitskräftebedarf von 5 146 Einstellungen gegenüber 6 461 Entlassungen, also eine Fluktuationsziffer von erstaunlichen 106,5 Prozent, die ein Jahr später während des kurzfristigen VW-Absatzeinbruchs immerhin noch 72 Prozent betrug. Zum Absatztief 1974 / 75 wiederholte sich die nun schon bekannte Form des Massenrückzuges aus Wolfsburg. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen bestätigt sich für bestimmte Einstellungsjahre der Anwerbezeit die Aussage eines italienischen ehemaligen VW-Arbeiters: “Hundert kamen, und hundert sind zur gleichen Zeit zurückgekehrt.” (12)

Im krassen Gegensatz dazu steht die Fluktuation der deutschen Lohnempfänger: Mit Ausnahme der Krisenjahre 1966, 1972 und 1974 / 75 ist bei VW – auch im Vergleich zu anderen deutschen Automobilunternehmen – eine geringe Fluktuation zu verzeichnen. Auf deutscher Seite betrug sie durchschnittlich rund 5 Prozent, kontrastiert von einer Abwanderungsziffer der Italiener im Zeitraum 1962 bis 1975 von durchschnittlich 57,2 Prozent. (13)

All diese Zahlen verdeutlichen, daß für die gesamte Anwerbephase weder Stabilisierungsprozesse innerhalb der Italiener- und Tunesiergruppe im Werk noch Niederlassungstendenzen in der Stadt zu verzeichnen sind. Die spätestens seit Mitte der sechziger Jahre verbreiteten öffentlichen Diskussionen über die anstehenden Integrationsmaßnahmen für die bereits niedergelassenen “Gastarbeiter” der Bundesrepublik verschleiern, daß tatsächlich, wenigstens in Wolfsburg, von Stabilisierungs- beziehungsweise Eingliederungsprozessen noch keine Rede sein konnte.

Ob nun der Wolfsburger “Gastarbeiterboom” als Sonderfall zu interpretieren ist, kann erst eindeutig beantwortet werden, wenn weitere Fallstudien über Unternehmen mit hoher Ausländerbeschäftigung vorliegen. Bislang ermöglichen lediglich die Gesamtstatistiken über die Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik einen Vergeich mit der Entwicklung bei VW. Die durchschnittlichen Fluktuationsquoten, die im Jahre 1971 bei 14,9 Prozent und 1972 bei 16,1 Prozent lagen, lassen allerdings einen frappierenden Unterschied deutlich zu Tage treten. (14) Zum Verständnis der hohen und stetigen Rückwanderungsschübe ist Wolfsburgs Abhängigkeit von einem einzigen Industrieunternehmen von Bedeutung: Neben dem Volkswagenwerk als der “Lebensader” der Stadt gab es hinsichtlich des Arbeits- und Wohnangebots, auch für die Frauen und Familien der “Gastarbeiter”, wenige Ausweichmöglichkeiten.

Die weiteren Gründe für diese Massenrotationen sind einerseits bei der Beschäftigungspolitik des Unternehmens zu suchen, andererseits in Beziehung zum Wanderungsverhalten und -verständnis der Arbeitsmigranten im Wolfsburger Kontext zu setzen.

Wanderungsverhalten und Beschäftigungspolitik bei VW
Selbst wenn man sich vor Augen führt, daß die italienischen Arbeitsmigranten ihren Arbeitsaufenthalt nicht für lange Dauer geplant hatten, fällt einem die hohe Rückkehrtendenz nicht nur in konjunkturellen Krisenperioden, sondern gerade zu Zeiten florierenden Absatzes auf. (15) Fast 20 Prozent der Angeworbenen verließen bereits innerhalb der ersten drei Monate das Werk und wurden damit – in Anbetracht der abgeschlossenen Einjahresverträge – meist arbeitsvertragsbrüchig. Das Phänomen der “Stippvisite” hielt trotz des akuten Arbeitskräftemangels während des “Käferbooms” an. Kürzer als ein Jahr blieben 51 Prozent der Zugewanderten. Als vorrangige Gründe wurden häufig Heimweh, familiäre Probleme und zu harte beziehungsweise ungewohnte Arbeit genannt. Es handelte sich eindeutig um migrationsunerfahrene Italiener; in der ersten Anwerbezeit waren viele um die vierzig Jahre alt und älter und verheiratet. Ihre Familien hatten sie in der Heimat zurückgelassen. Ihre Ausbildung umfaßte meist nicht einmal die in Italien festgesetzten fünf Grundschuljahre. Die überwiegend in der Landwirtschaft erlangten Arbeitserfahrungen taten ein übriges, um eine Eingliederung in den industriellen Arbeitsprozeß bei VW äußerst schwierig zu gestalten. Dagegen entsprachen die angeworbenen Tunesier mehr dem Bild der “integrationsfähigen” Arbeitsmigranten: sehr jung, ledig und meist aus städtischem Milieu – Bedingungen, die vor dem Hintergrund der geographischen Distanz zum Heimatort Kurzaufenthalte “alla italiana” leichter ausschlossen.

Schon ein halbes Jahr nach dem Eintreffen der ersten Italiener erkannte die Personalleitung das Problem der hohen “Gastarbeiterfluktuation” und forderte die Sozialabteilung auf, sich mehr mit den einzelnen Ausscheidungsgründen zu befassen – denn “es ist doch so, daß der Verlust eines angelernten Mannes sehr viel teurer ist, als man allgemein annimmt”. Dennoch überschritt VW für die gesamte Anwerbungszeit den von der deutschen Industrie angenommenen Wert einer 20prozentigen Rückwanderung vor Vertragsablauf bei weitem. (16)

Mit geballter Kraft konzentrierte sich die VW-Leitung in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat in jenen Jahren auf die Anwerbung immer wieder neuer Arbeiter aus Italien wie später auch aus Tunesien. Maßnahmen, die zu längeren Aufenthalten hätten führen können, wurden bis Ende der sechziger Jahre nicht ergriffen: Wohnmöglichkeiten, um Frauen und Familien nachkommen zu lassen, fehlten, und Arbeitsplätze bei VW blieben den italienischen beziehungsweise ausländischen Frauen bis Ende der siebziger Jahre verwehrt.

Mit wenigen Ausnahmen lebten alle Angeworbenen im sogenannten Italiener-Dorf “Berliner Brücke”, das durch seine ausschließlich männlichen Bewohner einzigartig war. Zeitweilig faßte es bis zu 6 000 Italiener und erhielt durch seine Baracken, seine Umzäunung und den bewachten Eingang einen kasernenähnlichen Charakter. Die damit verbundene Isolation der italienischen Arbeiter liegt auf der Hand. Verbindungen zur Wolfsburger Gesellschaft reduzierten sich meist auf Arbeitsbeziehungen.

Bei vielen Wolfsburgern galten die Italiener als Störfaktor. Durch ihre große Anzahl brachten sie das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen aus dem Lot, und ihre Ausstrahlung wurde als allzu sinnlich empfunden – eine Thematik, die auch in der illustrierten Presse ihren Niederschlag fand. “Brauchen wir denn wirklich diese Italiener?”, lautete die griffige Schlagzeile der Zeitschrift “Quick” im Juni 1962, und der “Stern” zog im November desselben Jahres nach mit der Frage: “Nix Amore in Castellupo?” Doch machten beide Blätter weniger die Italiener als vielmehr “die Geringschätzung, mit der viele Deutsche ihnen begegnen”, verantwortlich für die Schwierigkeiten des Zusammenlebens mit den “Menschen, ohne die das deutsche Wirtschaftswunder nicht möglich wäre”.

Erstaunlicherweise kam es nur ein einziges Mal, im ersten Anwerbejahr, zu kurzfristigen Unruhen im Italiener-Dorf und zu Arbeitsniederlegungen im Werk, die die Werkleitung mit Hilfe eines großen Polizeiaufgebots jedoch schnell niederschlug. Es gab einige Zugeständnisse, beispielsweise wurde ein zweiter Arzt für die 3 800 Italiener der VW-Unterkünfte eingestellt, im übrigen betonte das Pressebüro jedoch, “man dürfe die Ereignisse nicht überbewerten”. Inoffiziell, aus Sorge vor weiteren Protesten und Tumulten, wurden siebzig als “Rädelsführer” identifizierte Italiener fristlos entlassen, mehrere hundert weitere Landsleute folgten, weil sie die Arbeit nach den Unruhen im Werk nicht wieder aufnehmen wollten beziehungsweise ihnen die Kündigung nahegelegt wurde. Sogar die italienische Botschaft unterstützte diese Entlassungen, weil sie es für ratsam und sehr angebracht hielt, “daß die Gruppe die gefährliche Spitze von 4 000 nicht mehr erreicht, sondern auf höchstens 3 000 Arbeiter beschränkt bleibt. […] Es ist klar, daß die italienischen Stellen mit der Festlegung dieser Höchstgrenze ausschließlich bezweckt haben, eine allzu große Anhäufung von Arbeitern in einem Ort wie Wolfsburg, wo sie nichts mit ihrer Freizeit anzufangen wissen, zu vermeiden.” (17) Nur wenige Monate später diktierte nicht mehr die Vorsicht, sondern der akute Arbeitskräftemangel infolge der günstigen Absatzentwicklung die Zahl der italienischen Arbeitskräfte im Werk und in den Unterkünften, so daß die als verträglich ein geschätzte Höchstgrenze von 3 000 Italienern schnell wieder überschritten wurde. Daß die Rückkehrtendenz der italienischen VW-Arbeiter extrem hoch war, liefert eine Erklärung für die fehlenden Protestaktionen der Italiener über ihre Lebenssituation in der “Berliner Brücke”.

Es ließen sich zahlreiche Berichte zur lllustration der Zustände in der “Berliner Brücke” anführen, zitiert sei hier nur aus einem einzigen italienischen Brief, der für das Jahr 1970 eine erschreckende Bilanz zieht: “Wenn die Neuankömmlinge weiterhin provisorisch in sehr dreckigen Zimmern oder sogar auf dem Boden schlafen müssen, wenn ihnen kein Topf oder keine Pfanne zum Kochen zur Verfügung steht, solange den Italienern nicht die Möglichkeit gegeben wird, ihre Familien nachzuholen und solange nichts zur Freizeitgestaltung unternommen wird – denn sie können nicht nur von Arbeit leben – bis dahin wird weiterhin die große Fluktuation als Herrscherin regieren.” (18)

Erst Ende 1970, also nach neun Jahren Ausländerbeschäftigung, finanzierte die VW-Wohnungsbaugesellschaft die ersten Hochhäuser für die männlichen, ausländischen Arbeitnehmer und einige erste Wohnungen für ausländische Familien, die mit der Zeit die provisorischen Unterkünfte des Italiener-Lagers ersetzen sollten. Erneut war auch diesmal die Planung von “Junggesellenunterkünften” vorrangig.

Das provisorische Beschäftigungskonzept während der Anwerbungszeit
Bereits 1966 lebten in der Bundesrepublik durchschnittlich 50 Prozent der verheirateten Arbeitsmigranten zusammen mit ihren Ehefrauen, in Wolfsburg galt dies nur für einen verschwindend geringen Teil. Noch im Jahre 1974 hatten nur circa 15 Prozent der verheirateten Wolfsburger Ausländer ihre Familien nachgeholt. Der Grund dafür lag nach Einschätzung des im selben Jahr gegründeten Ausländerreferats “in der Tatsache, daß es in Wolfsburg keine Hinterhöfe und keine abbruchreifen Häuser gibt und in dem mangelnden Angebot an Arbeitsplätzen für Frauen”. (19) Die in deutschen Großstädten schrittweise erlangte Verfestigung der Wohnsituation für Migranten “vom Bett im Firmenwohnheim über das Abrißhaus im Sanierungsviertel zur Dauerwohnung im Einwandererkiez” (20) war in der jungen VW-Stadt also nicht möglich.

Die ständigen Neuanwerbungen in Italien, die Kosten des Anlernens und das ununterbrochene Neubesetzen von Arbeitsplätzen, an die die Italiener nach wenigen Tagen, Wochen oder Monaten nicht mehr zurückkehrten, schlugen offenbar für die betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung nicht derart negativ zu Buche, daß daraus Konsequenzen gezogen wurden.

Wählte man das kleinere Übel, weil man davon ausging, keine bessere Lösung zu finden? Dafür sprechen die ungünstigen Voraussetzungen der Arbeitsmigration vieler Italiener: die verbreitete Industrie- sowie Wanderungsunerfahrenheit, ihr Semi-Analphabetismus und das häufig fortgeschrittene Alter mit entsprechend festen Familienbindungen in der Heimat. – Oder setzte das Management dieses “Konzept” schon damals bewußt ein, um in Zeiten der Krisen diesen Teil der Arbeitnehmerschaft schnell wieder loszuwerden?

Für die erste Absatzkrise von 1966 / 67 wurde der Zustand des permanten Provisoriums innerhalb der italienischen Belegschaft von der Personalleitung sofort genutzt. Ohne Massenentlassungen – das bedeutete mehr als 49 Entlassungen pro Monat – beim Arbeitsamt ankündigen zu müssen, konnte das Werk die sogenannte natürliche Fluktuation in Verbindung mit einem Einstellungsstopp und der Nichtverlängerung der Arbeitsverträge nutzen. Wegfallende Überstundenarbeit, die einsetzende Kurzarbeit und allgemein die Verunsicherung über die Arbeitsplatzlage waren weitere ausschlaggebende Gründe für die hohe Abwanderungstendenz. Die Produktion konnte reduziert werden, ohne daß der Betriebsfrieden wirklich aufs Spiel gesetzt wurde; dies war eine eminent wichtige Voraussetzung für den Produktionsablauf bei VW angesichts der außergewöhnlich hohen Zahl der Beschäftigten im Wolfsburger Werk, die zeitweise über 60 000 erreichte.

Trotz der beschlossenen Kurzarbeit gab man nach den Worten der Personalleitung der Belegschaft (gemeint ist ausschließlich die deutsche) eine “gewisse Sicherheit” – dies allerdings zu Lasten der einst angeworbenen, nun rückwandernden “Gastarbeiter”.

Auffällig ist, daß weder der Betriebsrat noch die IG Metall versuchten, die Rückwanderung einzudämmen. Ohne die eben beschriebenen Entlassungsmethoden und die dahinterstehenden Probleme zu analysieren, erklärte die IG Metall Wolfsburg im März 1968, daß ausschließlich durch ihr Engagement und besonders die Initiative des einzigen italienischen Betriebsratsmitgliedes die Bedrohung verhindert werden konnte, die Italiener in Massen zu entlassen. Was wirklich geschehen war, wurde nicht thematisiert, sondern lediglich als Problematik in den Konjunkturhochzeiten unter dem Stichwort “FIuktuationseindämmung” gehandelt. Der Hintergrund des vielzitierten “sozialen Konsenses” bei VW zwischen Management und Belegschaftsvertretung tritt hier deutlich zu Tage.

Eine eindeutig diskriminierende Erklärung für den Massenrückzug der Gastarbeiter in den Jahren 1966 und 1967 gab die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände im Februar 1974: “Die Unternehmen trennten sich vorwiegend von Minderleistungswilligen. Trotz teils schwacher Auftragslage werden als Entlassungsgründe von Seiten der Betriebe hauptsächlich Tatsachen angeführt, die in der Person des Ausländers begründet liegen (Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit, Fehlzeiten u.ä.).” (21)

Die bewußte Trennung der Arbeitnehmerschaft in eine ausländische und eine deutsche Belegschaft und ein Arbeitskräfteabbau durch Reduzierung der ausländischen Beschäftigten sind auch für die VW-Absatzkrisen im Jahre 1972 sowie 1974 / 75 im Gefolge der Erdölkrise festzustellen. Neben die nun schon erprobten Personalabbaumethoden wie Nichtverlängerung der befristeten Arbeitsverträge von “Gastarbeitern” sowie die Ausnutzung der “natürlichen” Fluktuation trat eine Methode, die als sogenannte Übergangsabfindung beziehungsweise Aufhebungsvertrag bekannt wurde. Es handelte sich um eine Abfindungssumme, die bei “freiwilliger Kündigung” des Arbeitnehmers ausgezahlt wurde und damit nicht als Entlassung anzeigepflichtig war.

Der gemeinsame Plan von Betriebsrat und Personalleitung vom Juni 1972, die Aufhebungsverträge besonders bei den im Werk beschäftigten Ausländern und deutschen mitverdienenden Ehefrauen anwenden zu können, ging auf. (22) Den beiden damaligen italienischen Betriebsratsmitgliedern wurde eindringlich nahegelegt, die italienischen Vertrauensleute und ihre Landsleute darüber zu informieren, daß die Werkleitung sie entlassen werde, wenn sie die Aufhebungsverträge nicht unterschrieben. Verunsicherung machte sich in der instabilen ausländischen Belegschaft breit, und viele unterschrieben. Innerhalb von zwei Monaten, im Juni und Juli 1972, schieden insgesamt 3 002 Werksangehörige aus, davon 1 259 Italiener, 142 Tunesier und 542 deutsche Frauen. Auch für die Krisenjahre 1974 /7 5 verhinderte die Personalleitung auf dieselbe Weise die Bekanntgabe von Massenentlassungen, obwohl innerhalb dieser Jahre mehr als 3 000 Italiener und 1 531 Tunesier das Werk verlassen mußten.

Es kann damit festgehalten werden, daß das Konzept der Verhinderung einer soliden italienischen Stammbelegschaft in Krisenzeiten als wichtiger Faktor zum Krisenmanagement und zur Bewahrung des Betriebsfriedens genutzt wurde. Für die konjunkturellen Aufschwungperioden ist generell festzustellen, daß es dem VW-Werk für den gesamten Untersuchungszeitraum immer wieder gelang, in kürzester Zeit Tausende von italienischen und später tunesischen Arbeitskräften nach Wolfsburg zu holen. Die schon damals aufgestellte These, daß die deutsche Industrie, insbesondere die Automobilbranche, aufgrund der unterschiedlichen Struktur der ausländischen und deutschen Arbeitnehmerschaft die Gastarbeiter für die un- und angelernten Arbeiten dringend benötige und damit langfristig integrieren müsse, trifft für VW offenbar nicht zu.

Vielmehr ist im Wolfsburger Fall die These von der bewußt kalkulierten “konjunkturellen Pufferwirkung” einer flexiblen Arbeitskräftemasse in Abbau- wie auch in Aufschwungzeiten nachzuweisen, die einherging mit einer “soziaien Pufferfunktion” zur Erhaltung des Betriebsfriedens innerhalb der deutschen Stammbelegschaft auf Kosten der angeworbenen “Gastarbeiter”.

Entsprechend dem damals verbreiteten Verständnis von einer vorübergehenden Arbeitsmigration in die “Gastgesellschaft” waren in der Volkswagenstadt auffällig wenige “langansässige Emigranten” (weniger als 8 Prozent) zu zählen. Auch nach zehnjähriger Aufenthaltsdauer prägte weiterhin der Zustand eines permanenten Provisoriums ihre Einwanderungserfahrung. Bis zu 25 Prozent hatten vor ihrer zeitlich begrenzten Zuwanderung nach Wolfsburg Arbeitserfahrungen in anderen deutschen Betrieben gesammelt. Dieser Arbeitsmigrationstyp könnte als zeitweiliger “Pendler-Emigrant” bezeichnet werden, weil er je nach Beschäftigungslage zwischen Arbeiten im Heimatland und in Deutschland wechselte. Für die Mehrheit blieb die Erfahrung einer einmaligen, kurzen “Gastarbeiterzeit” in der legendären “Käferstadt” mit anschließender definitiver Rückkehr in die Heimat die Regel. (23) Damit ähnelte ihre Situation derjenigen der Wanderarbeiter und Saisonarbeiter (24), wie sie uns seit dem Deutschen Kaiserreich bekannt ist.

Quelle: Deutsches Historisches Museum

Anmerkungen
1 IG Metall Zentralarchiv, Geschäftsbericht 1960 / 61, S. 33.
2 Vgl. Signorelli, Amalia: Movimenti di populazione e trasformazioni culturali, in: Barbagallo, Francesco u.a. (Hg.): Storia dell’ltalia repubblicana, Bd. 2, Torino 1995, S. 593.
3 Vgl. Ackermann, Volker: Der Dechte Flüchtling. Deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus der DDR 1945-1961, Osnabrück 1995.
4 Aktennotiz vom 25. September 1961, in: VW Archiv, Wolfsburg, Akte 13 / 1, Personalleitung.
5 Vgl. Siegfried, Klaus-Jörg: Das Leben der Zwangsarbeiter im Volkswagenwerk 1939-1945, Frankfurt / Main und New York 1988.
6 Vgl. Bundesanstalt fur Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (Hg.): Anwerbung und Vermittlung ausländischer Arbeitnehmer, Erfahrungsbericht 1961, Nürnberg 1962, S. 9.
7 Korrespondenz zwischen H. Nordhoff, G. R. Gumpert von der Autogerma Bologna und B. Wuestenberg vom Vatikan, vom 12. September bis 3. Oktober 1961, in: VW Archiv (wie Anm, 4).
8 Mündl. Auskunft des damaligen Einstellungs- und späteren Personalabteilungsleiters von Volkswagen in Wolfsburg am 25. September 1996.
9 Dafür sind die Veröffentlichungen über den ausländischen Belegschaftsstand der VW-Personalabteilung am Jahresende weitestgehend unbrauchbar, da zu diesem Zeitpunkt bereits ein Großteil der angeworbenen Gastarbeiter wieder zurückgekehrt war. Ausschließlich durch das Zahlen der monatlichen Zu- beziehungsweise Abwanderungen ist eine Klärung des Ausmaßes der Massenanwerbung durch das VW-Werk sowie über das stets fluktuierende Wanderungsverhalten der Italiener zu erreichen.
10 VW-Archiv, Jahresbericht Vorstandsbereich Personal- und Sozialwesen, 1975, sowie Stadtarchiv Wolfsburg, HA 4001, Stand und Entwicklung der Wohnbevölkerung, Dezember 1 975.
11 Die Fluktuationsziffer wird errechnet nach der Formel “effektive Abgänge mal hundert, geteilt durch den Jahresdurchschnitt des Belegschaftsstandes”. Effektive Abgänge sind Austritte auf eigenen Wunsch sowie fristgemäße und fristlose werksseitige Kündigungen.
12 In einem Interview mit der Verfasserin, geführt in Viterbo (Italien) am 10. 7. 1995.
13 Alle genannten Berechnungen sind zusammengestellt aus: Volkswagenwerk Wolfsburg, Personal und Sozialwesen, Belegschaftsberichte aus den Jahren 1962-1973 und VW-Archiv, Jahresberichte, Vorstandsbereich Personal und Sozialwesen, 1962-1975.
14 Bundesanstalt fur Arbeit (Hg.): Ausländische Arbeitnehmer. Beschäftigung, Anwerbung, Vermittlung Erfahrungsbericht 1972 / 73, Nürnberg 1974, S. 4.
15 Die folgenden sozialstatistischen Erhebungen sind das Ergebnis systematischer Stichproben von Personalakten italienischer Werksangehöriger.
16 Brief der VW-Personalleitung an die Sozialabteilung vom 11. Juli 1962, in: VW Archiv (wie Anm. 4).
17 Brief der italienischen Botschaft an die Bundesanstalt fur Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 7. Marz 1963, in: Volkswagenwerk, Personalabteilung, Akte Ausländische Arbeitnehmer.
18 Brief abgedruckt in dem von italienischen Vertrauensleuten monatlich verfaßten Informationsblatt: Il nostro Lavoro, hg. von der IG Metall Wolfsburg, September 1970, S. 6.
19 Stadtarchiv Wolfsburg, HA 6658, Ausländerreferat, Prinzipielle Überlegungen über die Stelle für Ausländerbetreuung, 14. Februar 1974, S. 3.
20 Vgl. Pagenstecher, Cord: Die lllusion der “Rückkehr”. Zur Mentalitatsgeschichte von “Gastarbeit” und Einwanderung, in: Soziale Welt 2 (1996), S.153.
21 IG Metall Zentralarchiv, Bestand 1 2, Aktennotizen Max Diamant.
22 Vgl. Volkswagenwerk Wolfsburg, Geheimes Protokoll der Betriebsausschuß-Sitzung vom Juni 1972.
23 Man könnte von einer typisch italienischen “Rotationstradition” sprechen, wenn man zum Vergleich die italienische Überseewanderung seit dem letzten Jahrhundert heranzieht: 45 Prozent der USA Emigranten kehrten nach der Jahrhundertwende nach Italien zurück; vgl. Archdeacon, Thomas J.: Becoming American. An Ethnic History, New York / London 1983, S.115f.
24 Zur Ausländerbeschäftigung im kaiserlichen Deutschland vgl. Bade, Klaus J.: Vom Auswanderungsland zum “Arbeitseinfuhrland”: kontinentale Zuwanderung und Ausländerbeschäftigung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: ders. (Hg.): Auswanderer, Wanderarbeiter, Gastarbeiter. Bevölkerung, Arbeitsmarkt und Wanderung in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, Bd. 2, Ostfildern 1984, S. 433-485.
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